Wolf-Dieter Storl 
"Pflanzen des Schattenreichs & Totenrituale unserer keltischen Vorfahren" (DVD) 
2010 / Foitzick Verlag / EUR 29,95 / ASIN: 3862387186
 / 58 Minuten (Pflanzen des Schattenreichs) + 78 Minuten (Totenrituale unserer keltischen Vorfahren)


Dr. Wolf-Dieter Storl ist ein über Deutschland hinaus anerkannter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Geboren am 1.10.1942 in Crimmitschau, Sachsen, wanderte er als 11-jähriger mit seinen Eltern 1954 nach Ohio, USA aus. Er begann zunächst ein Botanikstudium, wechselte dann aber zur Anthropologie (Völkerkunde).  Nach dessen Abschluss wurde er Vollzeitdozent und lehrte über 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in Amerika und Europa. In Bern, Schweiz, promovierte er 1974 zum Doktor der Ethnologie. Auf seinen zahlreichen Reisen betrieb er Feldforschung und lernte von Bauern, Medizinmännern und Sadhus. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof im Allgäu, schreibt Bücher und gibt zum Thema Heilkräuter Seminare und Vorträge. Bei der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde, wie die der Kelten, Germanen und Slawen, sowie des frühchristlichen Mittelalters, liegt zur Zeit sein Hauptinteresse. Nicht nur zu diesen Themen hat er zahlreiche Bücher geschrieben, sowie Hörbuch-CDs und mehrere DVDs veröffentlicht.

Auf der DVD befinden sich zwei Vorträge von Wolf-Dieter Storl, die auf dem Kongress "Vergessenes Wissen - Schattenreich" vom 03.-05.09.2010 in Wien aufgezeichnet wurden. Beide Vorträge gibt es auch als Einzel-DVD's.


Über die DVD "Pflanzen des Schattenreichs":

„Zwischen den Pflanzen und dem Tod gibt es eine innige Beziehung – sie sind hier, aber sie sind auch im Jenseits. Sie sind Brücken.“ So beginnt Wolf-Dieter Storl seinen Vortrag über die Pflanzen des Schattenreichs. 
Alle Pflanzen haben nach Storl diesen Jenseits-Bezug. Eine ganz besonders wichtige ist die Birke, auf der der Schamane in die Anderswelt steigt. Sie steht für den Neuanfang, ist der erste Baum im irisch-keltischen Alphabet. Bei vielen Völkern hat die Birke diese Funktion als Mittler zwischen dem Dies- und dem Jenseits übernommen: nicht nur bei den Kelten, sondern zum Beispiel auch den Wikingern oder den sibirischen Orochonen. Storl zählt sie nicht nur auf, sondern hat auch die eine oder andere mythologische Geschichte parat. 


Ein anderer Jenseits-Baum ist der Holunder, der den Namen der germanischen Göttin Hel trägt, der Totengöttin. „Die Toten werden von ihr behütet.“ Beweise dafür: Der Holunder ist heilend und giftig, er hat weiße Blüten und schwarze Beeren. Wer sich am Holunder vergreift, muss sterben, zitiert Storl anhand eines alten Spruchs. „Mensch willst aus dem Leben scheiden, dann tue du den Holunder schneiden.“ Eine Weisheit, an die er sich selbst hält, bekennt der Referent. Er schneide seinen Holunder nicht mehr oder verbrennt ihn als Feuerholz. Nur Menschen, die vom Tod schon berührt sind, also Witwen oder Waisen, dürfen ihn schneiden. 
Früher trugen Leichenbestatter ein Stück Holunder bei sich, um sich vor ruhelosen Geistern zu schützen. 
Eine weitere Totenpflanze, auf die er zu sprechen kommt, ist der Wachholder, dessen Räucherungen böse gesonnene Geister vertreiben soll. Er wird auch bei der Begleitung der Toten eingesetzt und gilt auch als immunstärkende Pflanze, zum Beispiel in Zeiten der Pest.


Auch die Hasel hat eine Verbindung zur Totenwelt. Mit einer Haselrute kann man in die ätherischen Regionen hinein spüren. Dies habe er selbst ausprobiert, obwohl er solchen Dingen gegenüber immer skeptisch gegenüber stand, betont Storl. Sie wird auch zur Segnung verwendet, überträgt den Segen und die Fruchtbarkeit der Ahnen, denn die wollen wieder ins Leben zurückkehren. Deshalb wurden junge Frauen mit der Hasel „gepfeffert“, damit die Kraft der Ahnen auf sie übertragen wurde und die Ahnen wieder ins Leben zurückkehren konnten. Haselnüsse als Grabbeigabe sind schon seit dem Neolithikum bekannt.
Eine Verbindung zur Götterwelt hatte die Erle. In einem Boden, auf dem Erlen wuchsen, wurden die Toten bestattet. 
Die Eibe ist der Inbegriff des Todes. Für die Kelten galt ihr Holz als das langlebigste Holz auf Erden. Sie hatten einen Kalender aus Bäumen, bei dem die Eibe der 13. Baum war, der Baum, der den Kreis bricht – und das war für die Kelten Samhain. 
Die Totenspeise wiederum war der Apfel. „Ein großer Schock, als die Missionare kamen und erklärten, der Apfel wäre böse.“ Denn nach der Bibel wurden Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben, weil sie einen Apfel gegessen hatten. Der Apfel hatte eine große mythologische Bedeutung. So reichte die Totengöttin Morrigan den Verstorbenen einen Apfel als Eintritt ins Totenreich. 


Als Pflanze mit einer Verbindung zum Totenreich gilt der Hanf: Durch den Rauch war es den Lebenden möglich, die Toten zu begleiten. Auch in europäischen Breiten galt der Hanf als Totenpflanze: Die Samen wurden besonders in Polen, Litauen und der Ukraine als Totenspeise verwendet. Im hebräischen Codex Leviticus steht, dass das Totenkleid aus Hanffasern sein soll. Besonders verbreitet ist der Hanfkult in Indien: Die meisten Menschen nehmen Hanf nur in besonderen Situationen. Beispielsweise bei Hochzeiten, wenn sich das Paar zum ersten Mal in die Augen sieht. Denn die Ehe findet im Himmel statt. Auch bei Beerdigungen wird Hanf eingenommen und meditiert – neben einigen anderen Pflanzen, die tranceinduzierend wirken. 


Spannend und unterhaltsam sind Storls persönliche Erlebnisse mit dem Tod: So berichtet er von seinem Indien Aufenthalt, als er gleich am ersten Tag zufällig zu einer Leichenverbrennung dazu kam. „Da kam ein kleiner Inder auf mich zu und sagte: ‚Oh you must look, you must look. Burning is learning. Cremation is education.’” Und so habe er sich hingesetzt und meditiert. „Das ist nichts Privates.” Die Inder sehen unter dem Einfluss des Hanf, wie die Toten aus dem Körper heraustanzen. Das Volk glaubt, dass der Körper das letzte Opfer ist, das die Menschen geben – und dadurch wieder zu Gott Shiva werden können. 
Die letzte Pflanze, die der Ethnobotaniker als Totenpflanze erwähnt, ist Basilikum (Tulsi), die eine wichtige Rolle bei Totenritualen einnimmt und in Indien für die Verkörperung des Göttlichen - Rama, Vishnu, Shakti - steht. 


Fazit: 
Ein interessanter Einblick in die verschiedenen Totenbräuche und Mythen! 



Über die DVD "Totenrituale unserer keltischen Vorfahren"

Ein trockenes, geschichtliches Thema so aufbereiten und vortragen, dass es unterhaltsam, spannend und lehrreich zugleich ist: Wolf-Dieter Storl ist einer der wenigen, die diesen Spagat mühelos schaffen. In seinem Vortrag „Totenrituale unserer keltischen Vorfahren“ referiert er über die Bräuche der Kelten und räumt mit so manchen Mythos über die „lieben“ Kelten auf. Blutrünstig waren sie, die Kelten, schlugen ihren Feinden die Köpfe ab. Die Köpfe wurden dann in Kisten mit Wacholder getan. „Heute zeigen wir unserem Besuch das Fotoalbum oder den neuen Rasenmäher. Die Kelten zeigten ihre Köpfe. ‚Den hab’ ich dort erlegt.’ ‚Aaaah, schöner Kopf!’“


Was ist „typisch keltisch“? Storl erklärt es anhand der Mythologie der Göttin Cerridwen und ihrem berühmten Kessel. Denn die Göttin gebar den hässlichsten Jungen und das schönste Mädchen. „Typisch keltisch, es muss immer alles in Balance sein.“ Also sollte dieser Junge der klügste Mensch auf Erden werden. Sie machte sich daran, in einem großen Kessel einen Trank zu brauen, der ein Jahr und einen Tag gerührt werden musste. Dafür war Gwion Bach, in einigen Mythologien ihr anderer Sohn, verantwortlich. Der jedoch stellte sich einmal so ungeschickt an, dass der Trank überschwappte und drei Spritzer auf seine Hand fielen. Er leckte sich die Hand ab und wurde weise. Die Göttin war darüber so erzürnt, dass sie Gwion töten wollte. Der jedoch konnte sich jetzt verwandeln. „Auch typisch keltisch – die Verwandlung.“ Sie jagte ihn so lange, bis er sich in ein Getreidekorn verwandelte und ihn Cerridwen als schwarze Henne mit rotem Kamm aufpickte. Daraufhin wurde sie schwanger. Nach neun Monaten wollte sie ihn umbringen, so bald er auf die Welt gekommen war. Aber sie konnte es nicht, sondern setzte den kleinen Jungen in ein Körbchen und ließ ihn auf dem Fluss treiben, wo er von einem Angler gefunden wurde. Der nannte ihn Taliesin (strahlendes Antlitz), auf Grund seines Gesichts. So war der weise Druide Merlin geboren. 


Der Tod war für die Kelten eine Zeit des Feierns. Sie führten ihm zu Ehren ein großes Fest durch. „Sie tranken auf den Toten, weil sie daran glaubten, die Seele des Verstorbenen würde in ihren Körper schlüpfen und könnte mit ihm feiern.“ Für die Kelten bedeutete Sterben eine Wiedergeburt. „Die Kelten glauben, die Seele geht nach dem Tod in einen neuen Körper. Anderswelt war für die Kelten nicht so sehr wo anders, nicht eine Welt die von dieser getrennt ist, sondern sie ist einander, sie ist hier und nirgendwo. Es ist eine Welt, in der nichts fix ist, alles ist in Bewegung. Und wenn der Druide oder Schamane in diese Welt geht, kann er Dinge bewegen, die hier wieder etwas verändern.“
Eng ist mit dem Totenkult auch der Glaube an die Götter verknüpft. So wurden Fürsten mit all ihren Lieblingswaffen beerdigt. Im Frühling fuhren die Toten – ein Verbindungsstück zwischen der Anderswelt und dieser – in die Anderswelt und die Götter kamen mir ihrem Wagen aus der Anderswelt und brachten den Menschen reiche Ernte. 


Immer wieder bringt der Ethnobotaniker seine persönlichen Erlebnisse mit ein: So erzählt er über das keltische Fest Samhain, heute als Halloween bekannt. Storl erinnert sich an seine Kindheit, als er sich – damals noch in den USA lebend – jedes Jahr verkleidet hat. Die Schaufenster von den Läden, wo die Besitzer den Kindern keine Süßigkeiten geben wollten, hatten sie mit Wachs eingeschmiert. Am nächsten Tag boten sie den Leuten an, die Fenster für sie zu putzen und wollten dafür einen Dollar und eine Flasche Cola. „Cola ist so ätzend, dass das Wachs sofort abgeht.“ 


Fazit: 
Ein Vortrag, der hörbar nicht nur dem Publikum, sondern auch Wolf-Dieter Storl sichtlich Spaß macht. Er ist so sehr in seinem Element, dass er völlig auf die Zeit vergisst und seinen Vortrag um 20 Minuten überzieht. „Ich hätte noch viele Geschichten, aber ich muss leider aufhören.“
Kurzum: Spannend, mystisch, witzig und überaus sehens- und kaufenswert!